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Einmal Himmel, einmal Hölle
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Zürich/Vaduz. Man sagt, die Schweiz sei das Land der präzisen Uhren, der schokoladenüberzogenen Gewissheiten und der langsamen, aber verlässlichen Dinge. Nach den ersten beiden Spieltagen der Super League unter Trainer Nouri müsste man diese Definition allerdings dringend um einen Zusatz erweitern: Die Schweiz ist auch das Land, in dem man im selben Atemzug Messias und Depp sein kann.
Die Fakten: Im Heimspiel gegen den FC St. Gallen setzte es einen souveränen 3:0-Sieg. Drei Tore für Grasshopper, null Gegentore, volle Punktzahl.Im Spiel beim FC Vaduz, unterlag exakt dasselbe Grasshopper Zürich ebendiesem FC Vaduz mit 0:3. Dieselbe Tordifferenz. Nur in der anderen Spalte.
Besonders delikat ist dabei der Gegner des zweiten Spiels: Liechtenstein. Ein Land, das in Summe etwa so viele Einwohner hat wie ein durchschnittliches Zürcher Plattenbauviertel. Ein Staat, dessen Hauptexportgut nach letzten Statistiken aus Briefmarken, Zahngold und vornehmer Zurückhaltung besteht. Und eben diesem Vaduz unterlag Nouris Grasshopper.
Die Pressekonferenz nach dem ZAT war ein Schauspiel für sich. Nouri erschien mit einer Miene, die zwischen "ich habe gerade sechs Richtige im Lotto" und "ich habe den Lottoschein aber leider zu Hause vergessen" oszillierte. "Wir haben heute sowohl die beste als auch die schlechteste Version von uns selbst gesehen", erklärte er mit der stoischen Würde eines Mannes, der im Duschstrahl feststellt, dass die Shampooflasche doch Spülung enthielt. "Das eine Team hat mir richtig Freude gemacht. |
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Das andere Team... kenne ich noch gar nicht so lange, um ehrlich zu sein."
Auf die Frage, wie man sich eine solche Diskrepanz erkläre, antwortete Nouri mit einer Geste, die man am ehesten als "philosophisches Achselzucken" bezeichnen könnte: "Im Fussball gibt es keine Garantien. Ausser natürlich die, dass immer irgendein Vaduz um die Ecke kommt, wenn man es am wenigsten gebrauchen kann. Das sollte man in der Uefa mal als Regel festschreiben. Paragraph 1: Nach jeder Euphorie wartet ein Fürstentum. Paragraph 2: Manchmal wartet es sogar zur selben Zeit."
Tabellarisch steht Grasshopper nun auf Platz 5 der Super League. Drei Tore geschossen, drei Tore kassiert, Tordifferenz glatt null, ein Punkt mehr als der Abstiegsplatz, ein Punkt weniger als der Tabellenführer. Die perfekte Mitte. Das statistische Äquivalent eines Menschen, der weder lebt noch tot ist, sondern einfach existiert.
"Man könnte es so sehen", sagte ein Grasshopper-Fan nach dem ZAT, "dass Nouri uns eine ausgewogene Saison beschert. Himmel und Hölle im selben Augenblick. Balance ist wichtig im Leben. Buddha hätte das gefallen. Wobei Buddha wahrscheinlich nicht unbedingt Grasshopper-Fan gewesen wäre."
Die Vereinsführung zeigt sich ebenfalls bemerkenswert entspannt. "Wir haben einen erfahrenen Trainer verpflichtet", liess Präsident Brunner verlauten. "Das heisst: Er ist erfahren genug, um zu wissen, dass ein geteiltes ZAT am meisten wehtut. Und auch erfahren genug, um zu wissen, dass es ihn nicht umbringt. Statistisch gesehen jedenfalls." |
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21.04.2026 12:34 -
Nouri -
Grasshopper Zürich
(0.3 TK)
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